Auf der Schiefen Ebene gibt es kein Halten

http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/kolumne/34145/Die-Sache-mit-der-schiefen-Ebene.htm

Am 19. Juli jährt sich der Tag zum 76 Mal, an dem der damalige württembergische Landesbischof, Theophil Wurm, sich in einem Schreiben an den Reichsinnenminister, Wilhelm Frick, zu den Verbrechen an den Menschen mit Behinderungen äußerte. In dem Brief findet sich folgendes Zitat:

”Wenn die Jugend sieht, daß dem Staat das Leben nicht mehr heilig ist, welche Folgerungen wird sie daraus für das Privatleben ziehen? Kann nicht jedes Rohheitsverbrechen damit begründet werden, daß für den Betreffenden die Beseitigung eines anderen von Nutzen war? Auf dieser schiefen Ebene gibt es kein Halten mehr.“

„Auf dieser schiefen Ebene gibt es kein Halten mehr.“

Was ist die Botschaft dieses Satzes? Wurm warnt davor, dass Dinge dann unkontrollierbar werden, wenn Tabus gebrochen und ethische Werte aufgegeben werden.

…..

Diejenigen unter den Betroffenen, die kognitiv in der Lage sind, das BTHG in seinen Zusammenhängen und Auswirkungen zu überblicken, haben den Verbänden ihr Mandat entzogen. Sie haben sich aus den Windschatten der großen Wohlfahrtsverbände herausbegeben, ketten sich öffentlich an, sperren sich ein und kämpfen fortan an zwei Fronten.

Vermutlich tut es dabei sicher mehr weh, auch die Verbände gegen sich zu wissen, als „nur“ die Politik…

All diejenigen aber, denen es nicht gegeben ist, das BTHG zu realisieren, sind darauf angewiesen, dass Verbände für sie sprechen. Und dann kann man den Verbänden nur sagen, dass sie sich schämen* sollen, wenn sie es nicht übers halbherzige Herz bringen, sich mit denen, die von ihnen abhängig sind und ihnen vertrauen, hinter diejenigen zu stellen, denen das möglich ist und die das sind, was sie selbst nicht sind: „Experten in eigener Sache“.

Und noch ein Zitat kommt einem da in den Sinn. Adorno nämlich und sein Hinweis, dass es „kein richtiges Leben im falschen“ gibt.

Wenn der Zug, in dem Du sitzt, in die falsche Richtung fährt, dann ist der Versuch, sich dadurch zu beruhigen, dass der Speisewagen aber leckeres Bier hat, kein Trost, sondern Selbstbetrug.

Und wenn sich alle (!) einig sind, dass das BTHG in eine andere Richtung fährt als die UN-BRK, dann betrügt (sich) der, der (sich) damit beruhigt, dass er plötzlich etwas von „ICF“ und „andere Anbieter“ entdeckt …

Nochmal zum Mitschreiben: Das BTHG ist deshalb abzulehnen, weil es Menschen mit Behinderungen Rechte entzieht, zu deren Gewährung sich aber das Land in dem sie leben, mit der Unterzeichnung der UN-BRK verpflichtet hat! Da kann das Bier im Speisewagen noch so lecker schmecken…

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